Viel Technik und eine Menge Kraft
VW „ID.Buzz Cargo Pro 4Motion" im Praxis-Test: Reichweite, Ladeleistung und NutzwertDer VW „ID.Buzz“ ist der erste Transporter von Volkswagen, der rein elektrisch gedacht war und so
entwickelt wurde. Im September 2022 hatte er auf der IAA Transportation in Hannover Weltpremiere.
Die stärkste Variante ist der „ID.Buzz Cargo Pro 4Motion“ mit 340 PS – der bislang stärkste Serien-Bulli.
Als er auf den Markt kam, wurde er von manchem als klein und auch als etwas gedrungen beschrieben. Sitzt man jedoch im Fahrzeug, ist das Platzangebot auf dem Fahrer- und den beiden Beifahrersitzen angenehm. Wir waren von der Übersichtlichkeit des Cockpits, der spürbaren Kraft des Antriebs und der Ausstattung positiv überrascht.
Das Laden der Batterie hinten rechts war zunächst ungewohnt, da die meisten E-Transporter den Anschluss links oder rechts an der Front haben. Fährt man mit dem „ID.Buzz“ an die Ladesäule, klappt es meist gut, wenn man rückwärts in die Ladebucht hineinfährt. Der Schnelllader war über die Lade-App gut zu verfolgen, so dass keine Blockiergebühr anfiel.
Der „ID.Buzz Cargo Pro 4Motion“ kann mit bis zu 185 kW schnell laden (DC) oder mit 11 kW an der Wallbox. Das Schnellladen von 5 auf 80 Prozent dauert knapp 30 Minuten, an der heimischen Wallbox braucht eine volle Batterieladung etwa 8,5 Stunden. Bei einer 100-prozentigen Ladung des E-Bullis war die Reichweite am Bordcomputer mit 373 km angegeben. Nach einer längeren Autobahnrunde ohne Ladung war der Verbrauch teilweise über 40 kWh/100 km; am Ziel lag der Durchschnittsverbrauch bei 26 kWh/100 km. Effektiv gefahren war der Test-„ID.Buzz“ 206 km, als Restreichweite wurden noch 101 km angezeigt.
500 km Reichweite in der Stadt
Rein rechnerisch sind also 66 km Reichweite irgendwohin verschwunden – möglicherweise meinem Fahrstil geschuldet. Nach dem nächsten Laden wurde der Bordcomputer neu eingestellt. Bei 100-Prozent-Batterieladung zeigte er nur noch eine Reichweite von 347 km an. Die effektive Reichweite bei intensiver Nutzung liegt nach den Testfahrten bei knapp 200 km, während die WLTP-Angabe im Mix laut Hersteller 358 bis 428 km beträgt. Innerstädtisch schafft der Transporter mit einer vollen Batterie bis zu 500 km Reichweite oder sogar mehr.
Der „ID.Buzz“ ist ein reines Elektrofahrzeug und damit bis zu zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit. Diese Förderung wurde bis Ende 2035 verlängert. Danach wird die Steuer nach Gewicht statt Hubraum berechnet. Das entspricht etwa der Hälfte der Kfz-Steuer, die heute für vergleichbare Verbrenner anfällt.
Der Testbulli hatte eine Nutzlast von etwas über
600 kg und ein Ladevolumen von 3,9 m³. Lange Gegenstände lassen sich dank Durchladeeinrichtung in der Trennwand zur Fahrerkabine leichter verstauen. Die Trennwand hatte ein Fenster zum Laderaum hin und die beiden Hecktüren waren „verblecht“.
Platz für zwei Europaletten
Der „ID.Buzz Cargo Pro 4Motion“ kann zwei Euro-
paletten aufnehmen. Beim Beladen von hinten braucht der Staplerfahrer gutes Augenmaß, da zwischen den Radkästen lediglich 1,23 m Platz ist und damit links und rechts lediglich 1,5 cm Abstand bleiben. Die Öffnung der seitlichen Schiebetüren ist mit 75,6 cm für eine Europalette bei der kurzen „ID.Buzz-Version“ zu schmal.
Der „ID.Buzz Cargo Pro 4Motion“ darf gebremste
1,8 t ziehen; bei bis zu 12 Prozent Steigung und ungebremst sind es 750 kg. Die anklappbare Anhängerkupplung kostet knapp 1000 Euro. Seine Dachlast ist mit 75 kg angegeben. Der Wendekreis von 12,5 m ist vergleichsweise groß. Mit der zur Verfügung gestellten Bereifung fuhr ich den E-Transporter auch durch schwieriges Gelände. Das Urteil lautet jedoch „wenig geländegängig“. Die vier angetriebenen Räder bringen die Kraft der 560 Nm Drehmoment besser verteilt auf die Straße und sorgen für mehr Grip. Der Allradantrieb 4Motion ist ein Plus an Sicherheit in vielen Situationen und Wetterlagen.
Der Laderaum war mit LEDs erfreulich gut ausgeleuchtet und auch das Lichtdesign vorne und hinten am Fahrzeug überzeugt; das geometrische Symbol, das der Außenspiegel auf der Fahrerseite auf den Boden wirft und so den Einstiegsbereich gut beleuchtet, ist bei Nacht hilfreich und vermittelt Sicherheit.
Geräumige Fahrerkabine
In der Fahrerkabine sitzt man gut, hat alles klar im Blick und in Reichweite. Es gibt sehr viele Ablageflächen und Verstaumöglichkeiten, auch oberhalb des Armaturenbretts. Die Sitzheizung kostet gut 400 Euro extra und ist für jeden Sitz separat regelbar. Das beheizte Multifunktionslenkrad schlägt mit 333 Euro zu Buche. Eine ganze Reihe von Assistenzsystemen gehören zur Serienausstattung.
Das Alles-im-Blick-Paket mit Rückfahrkamera wird für 1000 Euro angeboten. Sprachassistent IDA kommt für 232 Euro mit. Das Navi „Discover Pro“ kostet knapp 800 Euro, der Universalboden mit Verzurrschienen in Längsrichtung wird mit 880 Euro berechnet. Die Mobiltelefonschnittstelle „Comfort“ mit induktiver Ladefunktion kostet 476 Euro und hat einwandfrei funktioniert. Das Verbinden war einfach und schnell erledigt.
Fazit
Der „ID.Buzz Cargo Pro 4Motion“ lässt sich mit viel Spaß fahren, hat ein modernes Design, viel Technik und eine Menge Kraft, die ihren Preis hat. Mit Sonderausstattungen kam der Testwagen auf 59 875 Euro netto.
AutorDipl.-Betriebswirt (FH) Jens Kathmann ist freier Journalist, lebt und arbeitet in Karlsruhe und führt regelmäßig Nutzfahrzeugtests für die Redaktionen bauhandwerk und dach+holzbau durch.
