Wie KI und digitale Tools beim Bauen im Bestand helfen: Volles Forum des bauverlages
bei der digitalBAU in Köln
Volles Forum an allen drei Messetagen, abwechslungsreiche Vorträge zur Generation Z, 3D-Aufmaß, Künstliche Intelligenz sowie digitale Tools für Sanierung und Energieeffizienz: Der bauverlag brachte Fachpublikum und Referentinnen und Referenten auf der Main Stage der Messe digitalBAU in Köln zusammen.
bauhandwerk-Redakteurin Michaela Podschun moderierte am Mittwochnachmittag das Thema „Digitalisierung im Bestand“. Das Magazin bauhandwerk berichtet überwiegend über Bestands-Sanierungen. Zunächst stand aber der Fachkräftemangel und der Blick auf den Nachwuchs im Mittelpunkt.
Generation Z fordert Wertschätzung ein
Buchautor Felix Behm zeigte, was die Generation Z einfordert: Wertschätzung
Foto: Michaela Podschun
Faul, freizeitorientiert, zu nix zu gebrauchen? Die Generation Z hat keinen guten Ruf. Aber stimmen die Vorurteile tatsächlich? Keynote-Speaker und Buchautor Felix Behm baute eine Brücke zu den 14- bis 28-Jährigen und gab den Handwerksbetrieben wertvolle Tipps. „Warum stellt die Generation Z Fragen, ob 4-Tage-Woche möglich ist? Ganz einfach: Weil sie es kann! Hätten wir an Ihrer Stelle nicht die gleiche Frage gestellt?“, gab Felix Behm den Zuhörern mit auf den Weg. Diejenigen, die zur Generation Z gehören, hätten viele Ideen, hinterfragen Vieles und seien ungeduldig. Sie wollen eine Arbeit machen, die wirklich sinnstiftend ist.
Felix Behm berichtete vom Inhaber eines Autohandels, der bewusst den schlechtesten Bewerber für seine Azubi-Stelle ausgewählt hat. Dieser junge Mann hatte kein gutes Zeugnis und viele Fehlstunden. Doch er schaffte die Lehrstelle und hatte im Autohaus keine einzige Fehlstunde mehr. „Dieser Chef hat seinem Azubi von Anfang an erklärt, was ihn in der Ausbildung erwartet und was er zu tun hat“, so Behm. Der Lehrling habe jeden Tag erlebt, was er mit seinen Händen schaffe. „Wertschätzung ist so wichtig und kostet nichts! Geben Sie regelmäßig Feedbacks. Loben Sie, wenn Zwischenziele erreicht sind. Jugendliche brauchen schnelle Antworten“, sagte Felix Behm, der in Schulen und in Unis geht, um zu erfahren, wie die Generationen Z und Alpha ticken.
Energieeffizienz durch digitale Tools
Dr. Marcus Rackel (KEDi) sprach über Energieeffizienz durch Digitalisierung
Foto: Michaela Podschun
Nach diesem Blick auf die Fachkräfte von morgen blickte Dr. Marcus Rackel auf die Energieeffizienz von Gebäuden. Der Teamleiter Gebäude am Kompetenzzentrum Energieeffizienz durch Digitalisierung (KEDi) in Halle brachte Beispiele mit, die sich in den Alltag integrieren lassen. „Jeder Hausbesitzer kann Daten sammeln. Das fängt mit der Heizung an, wo Sensoren Vorlauftemperaturen und Taktung messen können. Aber das Ablesen von Werten und das Eintragen in Excel-Tabellen sind noch keine Digitalisierung“, betonte er. Smarte Sensorik und datenbasierte Auswertungstool können helfen, Systeme energieeffizient einzustellen. Handwerksbetriebe können Monitoring anbieten und daraus ein Geschäftsmodell entwickeln. Wichtig sei, die Menschen mitzunehmen und klarzumachen, wie digitale Tools funktionieren.
Mini-Gebäude aus Klemmbausteinen
Und das klappt mit dem Mini-Gebäude, das aus 20.000 Klemmbausteinen besteht, ziemlich gut. KEDi gab beim Planungsbüro Arup ein Simulationsmodell in Auftrag. Dr. René Hommel von Arup stellte es vor. Mit dem Simulationssystem DEEP (Demonstrator Energie-Effizienz Potenziale) können verschiedene Strategien der Energieeffizienzsteigerung getestet werden. Welche Auswirkungen auf den Energieverbrauch, die Kosten und den CO2-Ausstoß hat beispielsweise der Einbau von PV und Wärmepumpe? Wie wirkt sich eine Fassadendämmung aus? „Das DEEP zeigt keine Einzelmaßnahmen sondern Zusammenhänge“, sagte Dr. Hommel. „Wir wollen damit Emotionen wecken, die Menschen sollen interaktiv sein.“ Aus terminlichen Gründen konnte das Modell nicht zur digitalBAU mitgenommen werden. Aber neu ist die digitale Form. Energieeffizienzpotenziale können daheim am Bildschirm erkundet werden. Zudem gibt es einige Termine, um das Simulations-Gebäude live zu erleben. Der digitale Zugang sowie die Termine zur Demonstration vor Ort können auf www.kedi-dena.de/gebaeude/warum-digitalisieren/deep-der-gebaeudedemonstrator eingesehen werden. Das DEEP war auch für den Deutschen Baupreis nominiert.
Realistische Bilder durch 3D-Aufmaß
Birgit Kostner, Geschäftsführerin der „F7 Digital GmbH“, sprach über 3D-Aufmaß und die Möglichkeit, Gebäude im Detail darzustellen
Foto: Michaela Podschun
Das Thema 3D-Aufmaß fesselte das Publikum ebenso. Die „F 7 Digital GmbH“ aus Rietberg hat eine Besonderheit: Sie wurde aus dem Handwerk heraus gegründet, und zwar aus der Fachwerkstatt Drücker aus Rietberg, die sich auf Fachwerkrestaurationen konzentriert. Geschäftsführer und BIM-Managerin Birgit Kostner, die auch Holzbildhauermeisterin ist, gab einen interessanten Einblick in die Möglichkeiten der digitalen Bestandserfassung durch Laserscanning, Photogrammetrie und Tachymeter/DGPS. Durch den Einsatz von verschiedenen Scansystemen und Drohnen lasse sich ein Gebäude sehr genau einfangen. „Wir nehmen auch Typenschilder von Maschinen und Anlagen auf und ermöglichen ein Controlling. Auch Schäden lassen sich dokumentieren und KI-basiert einordnen und bewerten“, so Birgit Kostner. Wo die Fantasie fehle, liefere das 3D-Aufmaß ein realistisches Bild des fertigen Zustands. „Dadurch lässt sich oftmals auch die Frage beantworten, ob ein Bauprojekt an eine bestimmte Stelle passt“, so Kostner. Es liefere daher auch Investoren viele Informationen für Quartiersentwicklung und Vermarktung.
Forschungsprojekt „NaiS“ für die Sanierung
An Künstlicher Intelligenz kommt man beim Bauen und Planen nicht mehr vorbei. Philipp Zielke und Diandra Hermann stellten das Forschungsprojekt „NaiS“ vor: „NaiS“ steht für nachhaltige intelligente Sanierungsmaßnahmen. Das Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert. Daten aus verschiedenen Quellen werden mithilfe von KI-Technologien verknüpft, um Sanierungsmaßnahmen objektiv zu bewerten und zu optimieren. Philipp Zielke ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), Diandra Hermann betreut das Projekt für die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB).
„Alles beginnt mit der Adresseingabe eines Gebäudes auf unserer Plattform. Wenn es noch Grundrisse gibt, werden diese hochgeladen. Auch weitere Infos, wie Energieausweis, PV-Anlagen, Heizung und Dämmung werden eingegeben“, zeigte Diandra Hermann an einem Beispiel. Die KI erstelle daraus den Ist-Zustand, auf den ein Soll-Zustand folgt. „Der Nutzer erhält ein Maßnahme-Paket mit Klimaschutzplan und auch Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten.“ Philipp Zielke ergänzte: „Die Plattform wird bis zur Marktreife weiterentwickelt und soll dann ein DGNB-Angebot werden.“ Es werden weitere Pilotpartner gesucht, die NaiS testen.
Bauordnungs-Bot des Verbandes „Bauen im Bestand“
Sarah Dungs vom Verband Bauen im Bestand und Geschäftsführerin der Greyfield Group plädierte dafür, neue Wege einzuschlagen. Sie stellte den Bauordnungs-Bot vor
Foto: Michaela Podschun
Künstliche Intelligenz nutzt auch der Verband „Bauen im Bestand“. Vorstandsvorsitzende Sarah Dungs, die Geschäftsführerin der Greyfield Group ist, demonstrierte, wie der neue Bauordnungs-Bot funktioniert, den der Verband entwickelt hat. „Es geht darum, die komplexe Vielfalt an Bauordnungen, Erlassen und Verwaltungsvorschriften besser zu überblicken. Wir haben dafür vier Bots geschaffen: Norden, Osten, Süden und Westen. Je nachdem, in welchem Bundesland sich ein Projekt befindet, kann der entsprechende Bot genutzt werden“, so Sarah Dungs. Er kann so befragt werden, dass er Vorschriften einfach erklärt und Handlungsschritte ableitet. „Es geht uns um einen schnellen und kostenlosen Leitfaden. Die Aussagen der Bots sind nicht rechtssicher. Aber man bekommt erste Informationen und Denkanstöße und kann damit auch besser mit Behörden kommunizieren“, so Dungs. So gebe es zu manchen Paragraphen, wie beispielsweise §69 Bauordnung-NRW (Abweichungen, Ausnahmen und Befreiungen von bauordnungsrechtlichen Anforderungen) konkrete Erlasse, die diese Vorschrift vereinfachen.
In der abschließenden Podiumsdiskussion mit den Referentinnen und Referenten sprachen sich diese für weniger Bürokratie und mehr Vereinfachungen für das Bauen im Bestand aus. Aus Sicht von Sarah Dungs nehme der Stellenwert des Bestandsbaus zu. „Es geht jetzt darum, dass sich viele Akteure vernetzen, und mehr zu erreichen“. Birgit Kostner wünschte sich von Seiten der Politik mehr finanzielle Förderungen, um Projekte besser realisieren zu können. Dass es beim Deutschen Baupreis in diesem Jahr auch Sonderpreise für das Bauen im Bestand gab, zeigt, dass es sich lohnt, Visionen zu haben und diese auch erfolgreich umzusetzen.
Autorin
Michaela Podschun Michaela Podschun ist Redakteurin der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.
