Industriedenkmal Altes E-Werk in Naumburg saniert

Das denkmalgeschützte E-Werk in Naumburg an der Saale aus dem Jahr 1909 mit einer schönen Jugendstilfassade wurde durch eine Sanierung vor dem Abriss gerettet. Es bietet nun als Veranstaltungsstätte „Kunstwerk im Turbinenhaus“ bis zu 250 Personen Platz.

Das ehemalige E-Werk in Naumburg an der Saale aus dem Jahr 1909 lieferte einst mit seinen Turbinen den Strom für die Naumburger Straßenbahn. Das denkmalgeschützte Bauwerk mit einer schönen Jugendstilfassade stand kurz vor dem Abriss, als das Ärzte-ehepaar Michaela und Thomas Burkhardt gerade noch rechtzeitig ihre Ideen präsentierten. Der Plan: Die Einrichtung eines Kunstbetriebs im ehemaligen E-Werk mit dem Namen „Kunstwerk im Turbinenhaus“ für die Präsentation und Vermarktung von Kunst. Die Idee fand viele Unterstützer; doch zuvor musste das Gebäude von Grund auf saniert und umgebaut werden, um dieses neue Nutzungskonzept umsetzen zu können.

Erdberührte Bauwerksabdichtung

Im Turbinenraum war der Boden mit Resten von Mineralöl belastet. Die Bodenplatte und diverse Wandteile wurden aus diesem Grund komplett rückgebaut und das darunter befindliche Erdreich bis zur Fundamentlinie abgetragen. Die so freigelegte Kellerwand in der Mitte unter dem Gebäude wurde erneuert und in Anlehnung an die damals noch gültige DIN 18 195-6 mit „Sulfatexschlämme“, „PBD 2K“ und dem „DS“-Systemschutz abgedichtet.

Die Außenabdichtung am Kellersockel erfolgte ebenfalls mit „PBD 2K“. Der Keller und der Sockel wurden hierfür komplett freigelegt und zuvor mit einer Horizontalsperre im „Kiesol“-System gegen aufsteigende Feuchtigkeit versehen.

Fassadeninstandsetzung

Jede Bauepoche hat ihre eigenen Putzrezeptur sowie Putztechniken. Um den historischen Putz am alten E-Werk möglichst originalgetreu nachbilden zu können, wurden Proben entnommen, genau analysiert und eine Rezeptur für die Herstellung des „Historic“ Oberputzes erstellt. Den Altputz schlugen die Handwerker dann komplett ab. Schadhafte Fugen räumten sie mindestens 2 cm tief aus, bevor sie sie mit Grundputz wieder schlossen. Risse im Mauerwerk setzten sie im Spiralankersystem, bestehend aus Spiralankern und Spiralankermörtel, instand. Für die ansprechende und zugleich denkmalgerechte Optik trugen sie dann den objektspezifisch rezeptierten „Historic“ Oberputz auf. Auch der Natursteinsockel wies zahlreiche schadhafte Stellen auf, die die Handwerker mit dem „Restauriermörtel SK“ und dem „Fugenmörtel ECC“ aufmodellierten. Die Fugen dichteten sie zudem mit „MultiSil“ dauerelastisch ab.

Innenabdichtung

Die vorhandenen Risse in der Bodenplatte wurden durch eine Rissverpressung mit „IR PUR 150“ abgedichtet. Zur Grundabdichtung verwendeten die Handwerker das Kiesol-System 1:1 mit Wasser verdünnt, zur weiteren Abdichtung trugen sie Sulfatexschlämme auf.

Für eine Abdichtung im Verbund mit Fliesen musste die Bestands-Bodenplatte mit „Extraflex“ egalisiert werden. Anschließend wurde sie zweilagig mit „Elastoschlämme 1K“ und „Fugenband VF-120“ abgedichtet. Nach dem Trocknen der Abdichtung verlegten die Handwerker die Fliesen direkt mit „Multikleber“. Die elastischen Fugen führten sie mit „Silicon Primer P“ als Haftbrücke und dann mit dem „Silicon MultiSil“ aus. Die Putzerneuerung im Innenbereich wurde mit dem WTA-zertifizierten Remmers Putzsystem durchgeführt. Es besteht aus Grundputz zur Flächenegalisierung und Sanierputz altweiß. Der farbige Anstrich im Innenbereich erfolgte mit Sanierputzfarbe.

Fazit

Insgesamt wurde hier ein Gebäude saniert, dessen ursprünglicher architektonischer Charakter und historische Bausubstanz weitestgehend erhalten werden konnten. Es bietet nun eine Veranstaltungsstätte mit Platz für bis zu 250 Personen mit hervorragender Akustik.

Autor


Jens Engel ist Produktmanager Bauten- und Fassadenschutz bei der Firma Remmers in Löningen.

Baubeteiligte (Auswahl)

Bauzustandsanalyse Gesellschaft für Umweltsanierungstechnologien mbH (G.U.T.), Merseburg,

https://gut-merseburg.de

Planung Tränkner Architekten, Naumburg (Saale), www.traenkner-architekten.de

Ausführung Bautenschutz DS, Uichteritz,

www.bautenschutz-ds.de

Beratung Remmers Fachplanung, Löningen,

www.remmers.com/de/fachplanung

Produktindex (Auswahl)

Kiesol C, PBD 2K, Sulfatexschlämme, DS-Systemschutz, Spiralanker-System, Fugenmörtel ECC, Restauriermörtel SK, MultiSil, Historic Oberputz, Extraflex, Elastoschlämme 1K, Fugenband VF-120, Fugenschmal, Flexfuge, Silicon Primer P, Sanierputz, Sanierputzfarbe, Remmers, Löningen, www.remmers.com

Horizontalsperre im Kiesol-System

Dieses erfolgt mittels druckloser Injektion in eine waagerecht angelegte Bohrlochkette. Die Bohrungen werden in einem Abstand von 12cm einreihig in die Lagerfugen eingebracht. Die so entstandene Horizontalsperre unterbindet den aufsteigenden kapillaren Feuchtetransport im Mauerwerk.

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