Nissans Abschied vom Diesel und die neue Strategie für mehr Nachhaltigkeit

Nissan hat eine neue Strategie für seine Nutzfahrzeugsparte publik gemacht. Dabei soll durch den Fokus auf Nachhaltigkeit und attraktive Elektrofahrzeuge der Marktanteil in Europa  ausgeweitet werden. Erster Schritt: Den „Townstar“ gibt es nur noch mit vollelektrischem und benzinbetriebenem Antrieb.

Offensichtlichstes Zeichen für eine Neuausrichtung der Strategie von Nissan im Bereich leichter Nutzfahrzeuge ist die Namensgebung: Der größte Transporter „NV400“ hört künftig wieder auf den Namen „Interstar“, der mittelgroße „NV300“ wird erneut zum „Primastar.“ In der Klasse der kompakten Transporter offeriert der japanische Automobilhersteller mit dem „Townstar“ zudem ein völlig neues Modell.

Im Fokus: Nachhaltigkeit

Nissan sieht in den drei Modellen einen wichtigen Schritt im Rahmen des Transformationsplans Nissan „Next“. Damit reagiert der japanische Hersteller auf den sich stark verändernden Markt der leichten Nutzfahrzeuge, der laut Nissan zunehmend geprägt wird von der Forderung nach mehr Nachhaltigkeit, dem Trend zur Urbanisierung und dem Boom im Bereich des E-Commerce.

Dazu will Nissan bis zum Jahr 2050 über den gesamten Lebenszyklus klimaneutrale Produkte anbieten, die weitere Elektrifizierung des Modellportfolios und die Frequenz der technologischen Innovation soll beschleunigt werden. Hierfür sind in den nächsten fünf Jahren Investitionen in Höhe von zwei Billionen Yen (rund 15,5 Milliarden Euro) vorgesehen.

Neue Batterien senken Kosten

Dabei soll auch die Lithium-Ionen-Batterie weiterentwickelt und zudem eine kobaltfreie Technologie eingeführt werden, um die Kosten bis zum Geschäftsjahr 2028 um 65 Prozent zu senken. Bis dahin sollen Nissan-Elektrofahrzeuge auch mit den firmeneigenen Feststoffbatterien (All-Solid-State-Batteries – ASSB) auf den Markt rollen, ein entsprechendes Pilotwerk entsteht bereits zum Geschäftsjahr 2024 unweit der globalen Firmenzentrale im japanischen Yokohama. ASSB verbessern Leistung und Reichweite und verkürzen die Ladezeit um ein Drittel, was die Attraktivität von Elektrofahrzeugen weiter steigert.

Nissan erwartet, dass auch die Kosten für Batteriepacks durch ASSB bis zum Geschäftsjahr 2028 auf 75 US-Dollar (rund 67 Euro) pro Kilowattstunde sinken. Perspektivisch strebt das Unternehmen sogar eine Reduzierung auf 65 US-Dollar (rund 58 Euro) pro Kilowattstunde an, um in Zukunft Kostengleichheit zwischen Elektrofahrzeugen und Benzinern zu erreichen. Aktuell liegen die Preise für Lithium-Ionen-Batteriepakete laut einer Analyse von Bloomberg bei durchschnittlich 132 US-Dollar pro Kilowattstunde.

Globales Batterieliefersystem geplant

Um die wachsende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen zu befriedigen, will Nissan zudem ein globales Batterieliefersystem aufbauen. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern soll die globale Batterieproduktionskapazität bis zum Geschäftsjahr 2026 zunächst auf 52 Gigawattstunden ausgebaut werden, um innerhalb von vier weiteren Jahren auf 130 Gigawattstunden zu steigen. Zudem plant das Unternehmen auch außerhalb von Japan Batteriewiederaufbereitungs-Anlagen unter anderem in Europa (bereits in diesem Jahr) sowie in den USA (bis 2025) zu bauen.

Wegweisende Technologie im „Townstar“

Da ist es nur konsequent, dass Nissan den neuen „Townstar“ gar nicht mehr in einer Diesel-Variante anbietet. Die vollelektrische Version des neuen Kompakttransporters tritt die Nachfolge des „e-NV200“ an und ist das technologisch fortschrittlichste leichte Nutzfahrzeug der japanischen Marke. Die vollelektri­sche Variante entwickelt 245 Newtonmeter Drehmoment und bietet in Verbindung mit einer 44-Kilowattstunden-Batterie bis zu 285 Kilometer Reichweite. Mit dem E-Transporter führt Nissan erstmals die CCS-Ladetechnik ein. Bei einer Ladeleistung von 75 Kilowatt kann das Elektrofahrzeug an Gleichstrom-Schnellladesäulen in 42 Minuten auf 80 Prozent der Batteriekapazität geladen werden. Für das Laden mit Wechselstrom verfügt der „Townstar“ über ein Bordladegerät mit wahlweise 11 oder 22 Kilowatt.

Viel Platz im Laderaum

Als Alternative zum Elektroantrieb wird ein weiterentwickelter Benziner sowohl für den Kastenwagen als auch für den Pkw-ähnlichen Hochdachkombi angeboten. Aus 1,3 Litern Hubraum entwickelt der Ottomotor 96 Kilowatt und 240 Newtonmeter Drehmoment. Dabei erfüllt der Vierzylinder die neueste Abgasnorm Euro 6d-Full. In seinem bis zu 3,9 m3 großen Laderaum, der von einer verstellbaren Trennwand begrenzt wird, transportiert der kompakte Kasten­wagen zwei Europaletten und bis zu 800 kg Ladung. Dank des leistungsstarken Antriebsstrangs lassen sich darüber hinaus bis zu 1500 kg Anhängelast an den Haken nehmen – bei beiden Antriebsvarianten.

Zudem ziehen mehr als 20 Technologien in den kompakten Transporter ein. Zum Beispiel ist die Elektro-Variante mit einem Fahrerassistenzsystem ausgestattet, das teilautomatisiertes Fahren auf Autobahnen ermöglicht.

Autor

Dipl.-Ing. Olaf Meier studierte Maschinenbau und arbeitet als freier Fachjournalist. Er lebt in Mönchengladbach und schreibt unter anderem als Autor für die Zeitschrift bauhandwerk.

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