Fassadensanierung einer denkmalgeschützten Wohnsiedlung in Nürnberg

In Nürnberg orientiert sich die Farbgestaltung der Fassaden einer Arbeitersiedlung am historischen Vorbild. Die gewünschte Palette an Sandstein- und Mauerziegel-Farbtönen wurde von Brillux in enger Abstimmung mit Bauherr, Restaurator und Denkmalbehörde nachgestellt und codiert.

Seit 2016 wird im Süden Nürnbergs die unter Ensembleschutz stehende Siedlung der Wohnungsgenossenschaft Sigmund Schuckert eG saniert. Um historische Details zu erhalten, legt die Wohnungsgenossenschaft großen Wert darauf, die Fassaden der abwechslungsreich gestalteten Straßenzüge der ehemaligen Arbeitersiedlung qualitativ hochwertig und in ihrer ursprünglichen Farbgebung zu sanieren. Zugleich wird der Wohnkomfort durch hofseitig ergänzte Balkone und neu gestaltete Innenhöfe verbessert. In den ersten beiden, bereits abgeschlossenen Bauabschnitten erhielten Mehrfamilienhäuser der Galvani-, Watt-, Siemens- und Voltastraße ihren einstigen Vorbildcharakter zurück – durch einen hoch wasserdampfdiffusionsfähigen Anstrich mit „Brillux Ultrasil HP 1901“ in hellen, erdigen Sandstein- und rötlichen Mauerziegel-Farbtönen.

100 Häuser mit Vorbildchatrater für Arbeitersiedlung

Als Bauverein Schuckert’scher Arbeiter 1896 gegründet, verfügt die Wohnungsgenossenschaft Sigmund Schuckert heute über einen Bestand von fast 3000 Wohnungen, größtenteils im Süden von Nürnberg und bietet ihren Mietern eine hohe Wohnqualität zu günstigen Preisen. Angeregt durch die Arbeiterschaft der damaligen „Elektrizitätsgesellschaft vormals Schuckert & Co.“, baute der Bauverein Schuckert’scher Arbeiter von 1898 bis 1908 insgesamt 100 Häuser mit 772 Wohnungen.

Mit ihren abwechslungsreich gestalteten Straßenzügen und Wohnblöcken im Stil des Neo-Barock und der Neo-Renaissance erstreckt sich die ehemalige Arbeitersiedlung über ein Areal rund um Gugel-, Siemens- und Schuckertstraße. Ein Wohnungsbau in diesem Umfang hatte Anfang des 20. Jahrhunderts Vorbildcharakter. Zudem waren die Wohnungen mit genügend Raum, Licht und zeitgemäßen sanitären und elektrischen Installationen für die damalige Zeit ein Novum. Weite Teile der ehemaligen Arbeitersiedlung, nämlich der Bereich zwischen Galvani,- Watt-, Siemens-, Gauß-, Helmholtz- und Schuckertstraße, stehen heute als Ensemble unter Denkmalschutz.

Seit 2016 wird die unter Ensembleschutz stehende Siedlung in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde behutsam saniert – fünf große Häuserblöcke in sieben Bauabschnitten. Die ersten beiden Bauabschnitte mit Mehrfamilienhäusern in der Galvanistraße 14 bis 20 und 3 bis 17, Wattstraße 3 bis 13, Siemensstraße 6 bis 18 sowie Voltastraße 60 bis 68 sind zu Beginn dieses Jahres bereits abgeschlossen.

Auf den Spuren der Vergangenheit

Durch umfangreiche Umbauten und Aufstockungen, die mehr Wohnraum schaffen sollten, hatte sich die historische Bausubstanz der von 1904 bis 1908 errichteten Gebäude stark verändert. Beim Neuverputzen der Fassaden war sowohl die bauzeitliche Architekturgliederung als auch die Farbfassung mit Sandstein-Farbtönen weitgehend aufgegeben worden. Um der ursprünglichen Gestaltung auf die Spur zu kommen, trug Restaurator Adalbert Wiech deshalb an geschützten Stellen Proben von Altanstrichen und Putz ab und untersuchte diese. An fast allen Gebäuden fand er dabei Reste bauzeitlicher Schichten. So wurde deutlich, dass die Häuser ein gemeinsames Gestaltungsprinzip hatten. An einem Gebäude gelang es ihm sogar, die bauzeitliche Fassung vollständig zu rekonstruieren.

So stellte sich heraus: Ursprünglich waren die Fassaden durchweg auf Sandsteinsockeln aufgebaut und durch Gurtgesimse, Lisenen, Werksteingewände (Sandstein-Imitationen) und Schmuckelemente gegliedert. Die verwendete Farbton-Palette orientierte sich an Sandsteinen der Region sowie an der Farbe von Mauerziegeln. Lediglich im Bereich der Sockel wurden teilweise echte Sandsteine verbaut. Darüber hinaus wurden – wie zu dieser Zeit üblich – verschiedene Sandsteine durch rot, ocker und grau eingefärbten Mörtel nachgebildet. Während die Fassaden straßenseitig sehr unterschiedlich und detailreich gestaltet waren, wurde die Hofseite zu Bauzeiten sehr schlicht und schnörkellos verklinkert. Erst im Zuge späterer Modernisierungen hatte man auch die rückwärtigen Fassaden verputzt.

Von den historischen Farbtönen zum Farbgestaltungskonzept

Auf Grundlage der Befunde legte der Restaurator per Hand Musterplatten an, die eine Übersicht über die ermittelten Farbtöne gaben. Die Wirkung der Töne wurde zunächst anhand von kleinen Musterflächen erprobt. Hans Gradl, Technischer Berater bei Brillux, der dem Architekten, dem Bauherrn sowie dem Malerbetrieb von Projektbeginn an beratend zur Seite stand, hatte im nächsten Schritt die Aufgabe, die ermittelten Farbtöne nachzustellen und sie zu klassifizieren, um sie reproduzierbar zu machen.

„Bis nicht mehr nachgemischt werden musste und alle passenden Farbnuancen gefunden waren, war Detailarbeit gefragt“, erinnert sich Hans Gradl. So entwickelte Restaurator Adalbert Wiech gemeinsam mit dem Büro Willi Bayer Architektur aus Fürth in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde und dem Bauherrn ein Gestaltungskonzept ganz im Sinne der historischen Farbgebung. Mit einem kräftigen Ziegelrot gibt das markante Eckgebäude an der Galvanistraße 14 nun den Ton an. Die benachbarte Galvanistraße 16 erhielt ein Beige mit hellem Grau. So wechseln sich helle Sandsteintöne mit kräftigeren, von Mauerziegeln abgeleiteten Farbtönen ab. Zur Hofseite wurden die Fassaden in unterschiedlichen, gedeckten Erdtönen gestrichen. Nach denkmalschutzrechtlichen Vorgaben erhielten die Häuser zudem Aluvorbau-Balkone.

Fassadensanierung im Denkmalschutz mit Silikat-System

Im Rahmen des Brillux Objektservice unterstützte der Technische Berater Hans Gradl den Architekten auch bei der Vorbereitung der Ausschreibung: Gemeinsam wurden die Beschichtungsaufbauten besprochen, und Gradl legte die Systemaufbauten sowie die Mengen für die Leistungsverzeichnisse fest. Den Zuschlag für die Ausführung der Fassadensanierungen erhielt die Hertel Malerfachbetrieb GmbH aus Stein. Auch mit Malermeister Klaus Hertel traf sich Hans Gradl vor Ort an der Baustelle und erläuterte die geplanten Systemaufbauten. Da die vorhandenen Putze weitestgehend unbeschädigt waren, konnte direkt mit dem Beschichtungsaufbau begonnen werden. „Nur hier und da waren kleinere Bereiche nachzuputzen“, erinnert sich Gradl. „An diesen Stellen war es jedoch durchaus herausfordernd, die Nachbesserungen an die alte Putzstruktur anzupassen, damit ein homogenes Gesamtbild entsteht.“

Zum Grundieren und Festigen verwendeten die Maler auf sämtlichen Fassadenflächen „Fondosil 1903“. Wo es erforderlich war, führten die Maler mit dem Silikat-Streichfüller „ELF 3639“ eine rissverschlämmende und Struktur gebende Zwischenbeschichtung aus. Der Anstrich erfolgte im Systemaufbau mit der einkomponentigen und hochdeckenden Farbe „Ultrasil HP 1901“. Diese Silikat-Fassadenfarbe ist aufgrund ihrer hohen Wasserdampfdiffusionsfähigkeit hervorragend für den Einsatz im Denkmalschutz geeignet. Durch die mineralischen Rohstoffe und die silikat-typischen, hydrophilen Eigenschaften erzeugt sie an der Fassadenoberfläche einen ausgeglichenen Wasserhaushalt und vermindert – ohne Zusatz von Bioziden – das Risiko von Algen- und Pilzbefall. Die über das Farbsystem gemischten unterschiedlichen Farbtöne standen dank des Brillux Lieferservice just in time auf den Baustellen zur Verfügung.

Widerstandsfähige Lackierungen für Metallteile

Im Zuge der Fassadensanierungen erhielten auch die metallenen Bauteile wie Fenster und Gesimsbleche neue Lackierungen. Der Großteil der eingebauten verzinkten Bauteile hatte zuvor eine Alkydharz-Beschichtung, die mit der Zeit jedoch abgeplatzt war. Nachdem die Maler diese Altlack-Reste sorgfältig entfernt hatten, sorgten sie mit dem „2K-Epoxi-Haftgrund“ zunächst für eine haftvermittelnde, rostpassivierende Grundierung. Mit „2K-PUR-Acryl Seidenglanzlack 5741“ entstanden auf den Metallbauteilen besonders widerstandsfähige Lackierungen.

Fazit

Die Sanierung der Siedlung der Wohnungsgenossenschaft Sigmund Schuckert eG entspricht gleich mehreren Anforderungen: Es ist ein stimmiges Gesamtkonzept entstanden, das den historischen Gebäuden zum einen ihr ursprüngliches Aussehen und eigentlichen Charakter zurückgibt. Zum anderen konnten durch die neue Innenhofgestaltung zeitgenössische Elemente eingebracht und mit den Balkoninstallationen die seither gestiegenen Wohnansprüche erfüllt werden.

Autor

Fabian Störkmann ist Produktmanager Dispersionen bei der Firma Brillux in Münster.

Baubeteiligte (Auswahl)

 

Bauherr Wohnungsgenossenschaft Sigmund Schuckert eG, Nürnberg, www.wg-schuckert.de

Architekt Willi Bayer Architektur, Nürnberg, www.willi-bayer.de

Restaurator Adalbert Wiech, Nürnberg, http://adalbert-wiech.de

Malerarbeiten Hertel Malerfachbetrieb, Stein, www.maler-hertel.de

Technische Beratung Hans Gradl, Brillux Objektservice, Münster, www.brillux.de

Farben Brillux, Münster, www. brillux.de

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